Klimaneutrales Drucken – Bedeutung, Normen und eine Zukunftsprognose

Egal, ob Verbraucher, Unternehmen, Organisationen oder Regierungen – der Klimaschutz geht jeden etwas an. Ohne einen rücksichtsvollen und nachhaltigen Umgang mit der Erde werden zukünftige Generationen nicht die optimalen Lebensbedingungen vorfinden, die heute als selbstverständlich gelten. Kleine und große Unternehmen aus der Druckindustrie haben mit dem Klimaneutralen Drucken ein Instrument an die Hand bekommen, welches einen wichtigen und branchenspezifischen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann.

  1. Klimawandel – ein Thema von enormer Bedeutung

Mit der Zunahme an CO₂ erwärmt sich zunehmend die Erde, das Eis schmilzt, die Meeresspiegel steigen.
Mit der Zunahme an CO₂ erwärmt sich zunehmend die Erde, das Eis schmilzt, die Meeresspiegel steigen.

Wenn auch noch nicht vollständig erforscht, sind sich Wissenschaftler einig, dass sich mit der erhöhten Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre die Erde zunehmend erwärmt. Denn Treibhausgase wie CO₂ besitzen die Fähigkeit, Wärme zu absorbieren. Dadurch wird eine geringere Intensität an Sonnenstrahlen wieder ins Weltall zurückreflektiert und die Atmosphäre erwärmt sich. Die Zunahme an CO₂ ist vor allem in der Verbrennung von fossilen Brennstoffen durch die Menschen begründet. Aber auch Aspekte wie die Zunahme des allgemeinen Verkehrsaufkommens auf den Straßen, auf See und in der Luft führen zu einer weltweiten Erhöhung der CO₂-Emission.

Die Folgen sind bereits heute ersichtlich: Die Polkappen schmelzen und dadurch steigen die Meeresspiegel. Des Weiteren drohen die Meere zu übersäuern, da die gelösten Kohlendioxide Kohlensäure bilden. Der Klimawandel hat weiter schädliche Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem, auf die Tierwelt und die Vegetation. Bereits in den letzten Jahren nahmen merklich Wetterextreme und Naturkatastrophen zu. Vor allem in der Tierwelt vermuten Forscher bereits jetzt eine deutliche Zunahme an Krankheiten, da sich Krankheitserreger bei wärmeren Temperaturen auch schneller verbreiten. Gefördert wird die Verbreitung zudem durch Massentierhaltung.

Klimaschutz und der sorgsame Umgang mit Ressourcen ist entsprechend von großer Bedeutung, damit auch folgende Generationen eine lebenswerte Zukunft vorfinden. Dass sich die breite Bevölkerung grundsätzlich über die Folgen des Klimawandels bewusst ist, zeigen aktuelle Umfragen.

Klimaneutrales Drucken - Bedeutung, Normen und eine Zukunftsprognose_Variante 2.2_OKT_Grafik 1

Quelle: Marketagent 2012 (aus Statista)

  1. Klimaneutral drucken – Was bedeutet das?

Um dem Klimawandel Einhalt zu bieten, werden weltweit unterschiedlichste Maßnahmen umgesetzt. Erfolgversprechend sind solche Unternehmungen jedoch nur, wenn jeder Einzelne sein Leben und den Alltag klimafreundlich gestaltet. Klimaneutral Drucken ist hierbei eine Maßnahme, die helfen kann, nachhaltig die CO₂-Emission zu reduzieren.

Im Grunde handelt es sich dabei um eine Emissionsausgleichs-Maßnahme, da der beim Drucken entstandene CO₂-Ausstoß berechnet und durch entsprechende Investition in weltweite Klimaprojekte neutralisiert wird. Voraussetzung für dieses Konzept ist die Erstellung einer detaillierten Emissionsbilanz eines Druckauftrags.

Unter anderem gehören zu den Emissionsfaktoren:
Klimaneutrales Drucken - Bedeutung, Normen und eine Zukunftsprognose_Variante 2.2_OKT_Grafik 2
ClimatePartner betont in Bezug auf die Berechnung der Emissionsbilanz, dass jede Druckerei individuell betrachtet werden muss, besonders was die einzelnen Herstellungsprozesse oder vorhandenen emissionsmindernden Maßnahmen betrifft. Steht die Emissionsbilanz fest, kann diese durch den Erwerb von CO₂-Zertifikaten kompensiert werden. Diese CO₂-Zertifikate enthalten im Grunde Fördermittel für Klimaneutrales Drucken - Bedeutung, Normen und eine Zukunftsprognose_Variante 2.2_OKT_Infobox 1 zusätzliche Klimaschutzprojekte. Zahlreiche Projekte können so indirekt finanziert werden, die letztlich den Umweltschutz vorantreiben.

  1. Nachhaltige Produktion mit starken Partnern

Um ein klimaneutrales Drucken nachhaltig umzusetzen, darf der Fokus nicht nur auf dem Druckprozess an sich liegen. Vielmehr muss der gesamte Herstellungsprozess allumfassend betrachtet werden. Das schließt die Wahl von nachhaltig erwirtschafteten Rohstoffen genauso mit ein wie die letztliche Logistik der fertigen Produkte. Da es bei derartigen globalen Wirtschafts- und Handelsabläufen kaum möglich ist, alle Rohstoffe in ihrer Herkunft vollständig zurück zu verfolgen oder sich der umfassende Einblick in viele Unternehmen ebenfalls als schwierig erweist, helfen Zertifizierungen oder Prüfverfahren von verschiedenen Organisationen bei der Wahl.

3.1. ClimatePartner

Das Unternehmen beschreibt sich selbst als führender internationaler Business-Solution Provider im Bereich Klimaschutz. 2006 wurde ClimatePartner vom Geschäftsführer Moritz Lehmkuhl gegründet und stand seinen Kunden zunächst als Beratungsinstanz im Bereich der Integration von Klimaschutz in Unternehmen zur Seite. Ziel ist es, das Thema in die alltäglichen Unternehmensabläufe zu integrieren, um letztlich auch neue Wachstumschancen zu generieren. Hierzu gehören beispielsweise die Eröffnung neuer Geschäftsfelder, die Verbesserung des Images und auch die Reduzierung des CO₂-Ausstoßes. 2007 entwickelte ClimatePartner schließlich sein Konzept „Klimaneutrales Drucken“. Dabei handelt es sich um ein Leistungspaket, welches die Berechnung der Emissionsbilanz einer Druckerei sowie der Druckaufträge in Form einer Software und ein Portfolio an zu unterstützende Klimaschutzprojekte zur Kompensation der CO₂-Emission bereithält.

3.2. EMAS – Geprüftes Umweltmanagement

EMAS (The European Eco-Management and Audit Scheme) ist ein Gütesiegel der Europäischen Union und zeichnet Organisationen mit diesem Label aus, insofern sich diese an die strengen EMAS-Anforderungen halten. Ziel ist es, Unternehmen eine Hilfestellung zu geben, die eigene Umweltleistung zu verbessern. Klimaneutrales Drucken - Bedeutung, Normen und eine Zukunftsprognose_Variante 2.2_OKT_Infobox 2Letztlich geht es um die Schaffung eines Gemeinschaftssystems für Umweltmanagement und Umweltbetriebsführung, an der Unternehmen bzw. Organisationen freiwillig teilnehmen (Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates). Beim Umweltmanagement geht es um die Optimierung der Organisationsprozesse und -strukturen hinsichtlich Umweltfragen. Zur Verbesserung nutzen die Teilnehmer ein standardisiertes Management-System und legen jährlich in der EMAS-Umwelterklärung offen, welche Ziele und Maßnahmen umgesetzt wurden und noch umgesetzt werden sollen. Als Kontrollinstanz werden unabhängige Umweltgutachter eingesetzt.

3.3. Forest Stewardship Council (FSC)

Die weltweit agierende Non-Profit-Organisation setzt sich seit 1993 für die Sicherstellung einer nachhaltigen Waldnutzung ein. So steht eine „ökonomisch tragfähige und sozialförderliche Bewirtschaftung“ im Vordergrund, die zudem umweltfreundlich ist.

FSC steht für die Sicherstellung einer nachhaltigen Waldnutzung.
FSC steht für die Sicherstellung einer nachhaltigen Waldnutzung.

Das bedeutet wiederum, dass der Bestand eines Waldes gehalten wird und das jeweilige Ökosystem nicht unter der Bewirtschaftung leidet. FSC hat hierzu verschiedene Kriterien entworfen, die eine nachhaltige Bewirtschaftung von Forstbetrieben sicherstellen sollen. Forstbetriebe, die die jeweiligen Kriterien einhalten, werden entsprechend zertifiziert und die daraus entstehenden Holzprodukte werden mit dem FSC-Gütesiegel gekennzeichnet. In Bezug auf nachhaltiges Drucken empfiehlt FSC die Verwendung von Papier, welches aus einer Kombination von Recyclingfasern und nachhaltig produzierten Frischfasern hergestellt wurde.

3.4. Die international anerkannte Umweltmanagementnorm ISO 14001

Bei der DIN EN 14001 handelt es sich um eine Norm, die Anforderungen für das Umweltmanagementsystem einer Organisation festlegt. Unternehmen, die diese Norm erfüllen, werden entsprechend zertifiziert. Dabei gilt die Umweltmanagementnorm als weltweit anerkannte Grundlage zum Aufbau, zur Klimaneutrales Drucken - Bedeutung, Normen und eine Zukunftsprognose_Variante 2.2_OKT_Infobox 5Durchführung sowie Organisation, Überwachung, Zielsetzung und Dokumentation solch eines Managementsystems. Übergeordnetes Ziel eines Umweltmanagementsystems ist der Schutz der Umwelt und die damit einhergehende Vermeidung von Umweltbelastungen. Dabei werden stets Aspekte aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für die Entscheidungsfindung mit einbezogen. Die zu erfüllenden Anforderungen in der ISO 14001 zielen schließlich auf eine kontinuierliche Verbesserung der Unternehmensprozesse ab, die sich auf Umweltbelange beziehen. Zudem sollen die Richtlinien helfen, die definierten Ziele des Umweltmanagements bestmöglich umzusetzen.

3.5. Der Blaue Engel

Als Umweltzeichen der Bundesregierung wurde Der Blaue Engel 1978 ins Leben gerufen. Gekennzeichnet mit dem Gütesiegel werden jene Produkte sowie Dienstleistungen, die die Anforderungen der Initiative erfüllen. Dabei sind diese Produkte und Dienstleistungen umweltfreundlicher als andere konventionelle Produkte mit dem gleichen Nutzen bzw. aus demselben Segment. Hinter dem Blauen Engel steht neben der Jury Umweltzeichen ebenfalls das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie die Zeichenvergabestelle RAL. Betrachtet werden die unterschiedlichsten Produktgruppen, von Bau- über Büro- bis hin zu Freizeitprodukten können mit dem Siegel gekennzeichnet werden. Nach eigenen Angaben verfügen mittlerweile 12.000 Produkte von ca. 1500 Unternehmen über das Gütesiegel. Letztlich möchte die Regierung den Verbrauchern eine umweltschutzbezogene Entscheidungshilfe bei der Wahl von Produkten liefern.

3.6. ECF – Elemental Chlorine Free

ChlorineBei ECF handelt es sich nicht um eine Auszeichnung oder eine Zertifizierung durch einen speziellen Verband bzw. Hersteller. Diese Kennzeichnung gibt darüber Auskunft, dass beim Bleichen der Primärfasern (Frischfasern aus pflanzlichen Rohstoffen in Form von Holzschliff oder Zellstoff) kein elementares Chlor verwandt wurde. Dennoch werden Chorverbindungen genutzt. Zum Bleichen wird demnach weltweit am häufigsten Chlordioxid verwendet, aber auch Natriumchlorat kommt zur Anwendung. Das Problem bei der Nutzung von elementarem Chlor liegt darin, Klimaneutrales Drucken - Bedeutung, Normen und eine Zukunftsprognose_Variante 2.2_OKT_Infobox 4dass beim Bleichen des Zellstoffes zusätzlich schädliche Substanzen freigesetzt werden. Zellstoffe zu bleichen, ist notwendig, um unerwünschte Farben oder Verfärbungen zu entfernen. Die ECF-Kennzeichnung ermöglicht entsprechend eine schnelle Erkennung von Rohstoffen, die ohne elementares Chlor behandelt wurden. Auch bei der Angabe „chlorfrei gebleicht“ können immer noch Chlorverbindungen genutzt worden sein. Erst bei 100 % chlorfreie Bleiche (TCF – Totally Chlorine Free) wird vollständig auf Chlor verzichtet.

 

  1. Die Erklärung essentieller Begrifflichkeiten in Bezug auf klimaneutrales Drucken

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4.1. Aufforstung

Das Pflanzen von Bäumen als Teil der Aufforstung.Das Ziel beim Klimaneutralen Drucken ist, die bei der Produktion entstandene CO₂-Emission durch Investitionen in Klimaschutzprojekte auszugleichen. Diese wiederum verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen bei ihren Projekten, wie beispielsweise die Speicherung von CO₂, was durch Aufforstung erreicht werden kann. Allgemein ist von Aufforstung die Rede, wenn eine bestimmte Fläche durch Menschenhand mit Bäumen bepflanzt oder durch Samen besäht wird, um eine nachhaltige Bewaldung aus forstwirtschaftlicher Sicht zu erreichen. Dadurch können schließlich effektiv Treibhausgasemissionen verringert werden. Dass solch eine Maßnahme mit mehreren Hürden verbunden ist, zeigt allerdings allein die Wahl der passenden Flächeneinheit zur Bewaldung. Studien zufolge ist eben nicht jede Fläche für solch ein Projekt geeignet. So seien Eichenbäume, die auf ehemalige Ackerflächen gepflanzt werden viel empfindlicher als Bäume, die auf Waldflächen stehen. Noch nach 100 Jahren liegt der Stickstoff- und Phosphorgehalt um ein vielfaches auf Ackerflächen höher, was ein gesundes Wachstum der Pflanzen erschwert. Entsprechend sind Experten für solche Klimaprojekte weltweit essentiell.

4.2. Betriebsparameter

Allgemein beschreiben Betriebsparameter änderbare Größen bzw. Variablen (beispielsweise Kosten für Rohstoffe) eines ökonomischen Prozesses. In Bezug auf Klimaneutrales Drucken nutzt beispielsweise ClimatePartner Betriebsparameter, um individuell für ein Jahr den CO₂-Fußabdruck eines Druck-Unternehmens zu ermitteln. Dieser wird wiederum als Basis für den unternehmensspezifischen CO₂-Rechner verwendet, damit der Betrieb für jeden Druckauftrag die jeweilige CO₂-Emission berechnen kann, um entsprechend durch Investitionen in Klimaprojekte die entstandene Emission auszugleichen. Die einzelnen Parameter setzen sich aus individuellen Maßnahmen und Gegebenheiten in einem Betrieb in Bezug auf Energie, Prozesse oder auch Emissionen zusammen, die erfasst und für die Auswertung verwendet werden. Durch diese individuelle Betrachtungsweise soll in erster Linie Transparenz geschaffen werden.

4.3. Carbon Footprint

Auch unter den Begriffen CO₂-Bilanz bzw. CO₂-Fußabdruck bekannt, beschreibt der Carbon Footprint das Gesamtmaß an Kohlenstoffdioxid-Emissionen, die bei bestimmten Tätigkeiten wie dem Autofahren oder aber durch die Nutzung von Produkten sowie Dienstleistungen entstehen. Mit Blick auf ein Klimaneutrales Drucken ist ebenfalls die entstandene CO₂-Emission bei sämtlichen Prozessen in Unternehmen, sei es in der Produktion oder bei bestimmten Aktivitäten, gemeint. Des Weiteren werden die entstehenden CO₂-Emissionen über ganze Lebensstadien von Produkten betrachtet. Auch wenn keine einheitliche Definition des Carbon Footprint existiert, nimmt die Bedeutung dieser Maßeinheit weiter zu. Mit der individuellen Berechnung des jeweiligen CO₂-Fußabdruckes eines Menschen könne laut Forschern ebenso individuell nach Maßnahmen zur Senkung der CO₂-Emission Jeder kann seinen persönlichen „Grünen Fußabdruck“ berechnen lassen.gesucht werden. Druckereien, die ihren individuellen ökologischen Fußabdruck kennen, investieren beispielsweise in genannte Klimaprojekte und senken so nachhaltig den CO₂-Ausstoß.

4.4. CDM

Clean Development Mechanism (CDM) ist ein Mechanismus, der 1997 im Kyoto-Protokoll (siehe 4.8) im Artikel 12 festgelegt wurde und 2001 zur Anwendung kam. Im Grunde handelt es sich hierbei um einen Prozess zur Prüfung der Qualität von Klimaschutzprojekten mit dem Ziel der CO₂-Reduktion bzw. des Emissionsausgleichs. CDM-Projekte werden von Industrieländern mit Reduktionsverpflichtungen (Annex-I-Land) gemeinsam mit und in einem Entwicklungsland (Non-Annex-I-Land) nach Definition des UNFCCC (United Nations Framework Conventions on Climate Change) ohne Reduktionsverpflichtung durchgeführt. Die Emissions-Einsparungen, die in dem jeweiligen Entwicklungsland erreicht werden konnten, kann sich das beteiligte Industrieland als gesparte Emissionseinheiten (siehe 4.5) gutschreiben lassen. Im Grunde verfolgt CDM zwei zentrale Ziele:

1. Günstige Reduktion von CO₂-Emission: Maßnahmen zur Reduktion der CO₂-Emission sind in Entwicklungsländern mit rudimentärer Industrie in der Umsetzung deutlich einfacher und günstiger. In Industrieländern wäre eine Umwälzung von Infrastruktur, Industrie und Produktion finanziell schwer umsetzbar.Klimaneutrales Drucken - Bedeutung, Normen und eine Zukunftsprognose_Variante 2.2_OKT_Infobox 6

2. Nachhaltige Unterstützung der Entwicklungsländer: Neben der Reduktion der Treibhausemission sollen durch CDM-Projekte Entwicklungsländer nachhaltig Unterstützung, auch in Bezug auf Wirtschaft und technologischen Fortschritt, erfahren.

4.5. CER

Die sogenannten Certified Emission Reduction (CER) – Zertifikate sind für die beteiligten Industriestaaten Emissionsreduktionsgutschriften, die sie durch die Unterstützung von CDM-Klimaschutzprojekten für ihr Konto erhalten. Voraussetzung ist, dass es sich um erfolgreich ausgeführte CDM-Projekte handelt. Ein Unternehmen, was beispielsweise klimaneutrales Drucken fokussiert, investiert in ein passendes Zertifikat bzw. CDM-Klimaschutzprojekt mit dem gewünschten Standard. So kann die Wahl auf ein CER Gold Standard – Zertifikat fallen, also die Unterstützung eines CDM-Projekts, welches zusätzlich durch den Gold Standard zertifiziert wurde. Aufgrund der hohen Qualität liegen die Kosten für solche Zertifikate aber auch weitaus höher mit 12 bis 35 US$/Tonne als andere Klimaschutz-Zertifikate.

4.6. Compliance

Der Begriff Compliance bedeutet nichts anderes als Regeltreue bzw. Regelkonformität. In Bezug auf die internationale Klimapolitik im Sinne des Kyoto-Protokolls fungiert das Compliance-System als Kontrollorgan zur Sicherstellung der Einhaltung der Emissionsreduktionsverpflichtungen der beteiligten Industrieländer. Bei Nichterreichung der definierten Ziele zur Reduktion der Treibhausemission formuliert die Erfüllungskontrolle Maßnahmen sowie Sanktionen. Für die erste sogenannte Verpflichtungsperiode, ein Fünf-Jahres-Zeitraum von 2008 bis 2012, wurden den teilnehmenden Ländern verpflichtende Ziele auferlegt. In Katar (Doha) 2012 hat sich die Klimakonferenz bereits auf eine zweite Verpflichtungsperiode geeinigt, von 2013 bis 2020.

4.7. Emissionsbilanz

Das Ergebnis bei der Berechnung der CO₂-Emissionen einer Person, eines Landes oder einer Organisation wird als Emissionsbilanz bezeichnet. Im Besonderen für kleine und mittelständige Unternehmen ist die Erstellung solch einer Bilanz allerdings nicht einfach, wenn ein möglichst realistisches Bild erzeugt werden will. Denn gerade indirekte CO₂-Emissionen, die beispielsweise durch die Herstellung und Lieferung von Papier entstehen, lassen sich nur unter großem Aufwand berechnen. Aus diesem Grund existieren webbasierte Kalkulatoren, die von verschiedenen Organisationen angeboten werden und meist auf zuvor berechnete Branchenwerte basieren. So werden bei der Betrachtung der Druckindustrie unter anderem folgende Faktoren in die Berechnung der Emissionsbilanz mit einbezogen:

· Material Papier: Herstellung, Logistik
· Druckerplatten, chemische Substanzen, Energie
· Sämtliche Faktoren bei der Druckerstellung (Farbe, Strom, Reinigungsmittel)
· Personal
· Transport

4.8. Kyoto-Protokoll

Auf der dritten Konferenz der Klimarahmenkonvention der vereinigten Nationen in Kyoto (Japan) wurde im Dezember 1997 das Zusatzprotokoll beschlossen. Ziel des Kyoto-Protokolls ist der Klimaschutz durch eine verbindliche Reduzierung der Treibhausgasemissionen in den einzelnen Ländern. In Kyoto stimmten die teilnehmenden Industrieländer erstmals zu, rechtsverbindliche Emissionsreduzierungsverpflichtungen rechtsverbindlich einzugehen. Die konkrete Umsetzung des Protokolls wurde allerdings erst in den folgenden Jahren und Konferenzen genauer festgelegt, so dass es erst 2005 in Kraft trat. Jedes Land erhielt eine Kyoto-Vorgabe, welcher Anteil im Vergleich zum Jahr 1990 an Treibhausgasemission zu reduzieren sei. Insgesamt haben mittlerweile laut Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit 191 Staaten das Protokoll ratifiziert. Zwischen 2008 und 2012, also in der ersten Verpflichtungsperiode, sollten insgesamt fünf Prozent im Vergleich zu 1990 weniger Treibhausgase ausgestoßen worden sein.

Klimaneutrales Drucken - Bedeutung, Normen und eine Zukunftsprognose_Variante 2.2_OKT_Grafik 4

Quelle: Energiewirtschaftliche Tagesfragen (in: Süddeutsche Zeitung, 22.10.2009, Seite 2), statista.com

Die Darstellung zeigt, dass es Staaten wie Deutschland gibt, die die Kyoto-Vorgabe mehr als erfüllen konnten, andere Länder wie Italien hingegen sogar einen höheren Anteil an ausgestoßenen Treibhausgasen im Vergleich zum Basisjahr 1990 zu verbuchen haben.

4.9. LowEmission

LowEmission bedeutet wörtlich betrachtet „geringe Emission“ und kann im Grunde als zentrales Ziel des Klimaneutralen Druckens deklariert werden. Anhand der genannten Maßnahmen soll die CO₂-Emission bei der Herstellung von Druckerzeugnissen reduziert werden, damit letztlich ein Teil dazu beigetragen werden kann, den Klimawandel und seine verheerenden Folgen zu stoppen.

Beim klimaneutralen Drucken ist der Blick auf die Rohstoffe essentiell.
Beim klimaneutralen Drucken ist der Blick auf die Rohstoffe essentiell.

 

  1. Zukünftige Ziele zur Einsparung von CO₂

Neben dem Klimaneutralen Drucken gibt es zahlreiche weitere Maßnahmen in den unterschiedlichsten Branchen, die zu einer Reduzierung der CO₂-Emissionen führen sollen. Gerade in den Bereichen Automobilindustrie und Energiewirtschaft besteht weiterhin großes Potenzial.

5.1. Automobiltechnik

Allein in Europa wird davon ausgegangen, dass über 25 Prozent der europäischen CO₂-Gesamt-Emission auf den Verkehr zurückzuführen sei, dabei würde allein der Personenverkehr einen Anteil von 12 Prozent ausmachen. Dennoch konnte laut Umweltbundesamt in Deutschland eine deutliche Reduzierung der Treibhausemissionen durch den Verkehr zwischen den Jahren 1990 und 2012 erwirkt werden.

Klimaneutrales Drucken - Bedeutung, Normen und eine Zukunftsprognose_Variante 2.2_OKT_Grafik 5

Quelle: Umweltbundesamt (1990 bis 2012)

Der Rückgang des Verkehrsaufkommens ist allerdings nicht Grund für die verbesserte Bilanz, schließlich wird dieses eher noch durch die zunehmenden Globalisierungsprozesse und die damit einhergehende Logistik wachsen. Vielmehr ermöglichen Innovationen und Optimierungsmaßnahmen der Automobilhersteller verbesserte Werte in Bezug auf den CO₂-Ausstoß durch Pkw-Fahrzeuge.

Ersichtlich wird dies beispielsweise bei einem Vergleich des durchschnittlichen Kraftstoffverbrauchs. Laut Verband der Automobilindustrie lag der durchschnittliche Verbrauch eines Pkws im Jahr 1978 noch bei rund 10,8 l/100km, 2003 hingegen lag der Durchschnittswert bereits bei unter 7 l/100km.

Automobilhersteller forschen und entwickeln seit Jahren bereits an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben und Motoren. Das Elektroauto kommt langsam bei den Verbrauchern an, weil es zum einen bezahlbarer wird und zum anderen existieren mehr und mehr Ladestationen deutschlandweit, was nicht zuletzt den aktualisierten Normierungen der EU geschuldet ist.

Zukünftig werden die Hersteller aber noch an weiteren Faktoren arbeiten, um noch energieeffizientere Fahrzeuge zu entwickeln. Hierzu gehören laut dem Verband der Automobilindustrie Stichworte wie:

· Elektronik und Sicherheitstechnik
· Variable Einspritzpumpe
· Voll variable Ventiltriebe
· Zylinderabschaltung
· Start-Stopp-Automatik
· Benzin-Direkteinspritzung
· Hybrid-Autos
· und weiteres

In diesem Zusammenhang haben das Europäische Parlament sowie der Europäische Rat im Jahr 2009 in der Verordnung EG 443/2009 verabschiedet, dass alle neuzugelassenen Pkws ab 2012 eine CO₂-Emission bzw. Kraftstoffverbrauch von durchschnittlich 130g/CO₂/km (bzw. 120g/ CO₂/km) aufweisen sollen. Im Einzelnen hängt der Zielwert vom Gewicht der jeweiligen Flotte eines Herstellers ab. Bis 2020 steht sogar das Ziel von 95g/CO₂/km im Raum – damit übt die EU deutlichen Druck auf die Hersteller aus.

5.2. Energieerzeugung

Die Bundesregierung verfolgt unterschiedliche Ziele bei ihrer Klimaschutzpolitik, um eine nachhaltige, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung für die Zukunft zu gewährleisten. Hierzu zählen:

Klimaneutrales Drucken - Bedeutung, Normen und eine Zukunftsprognose_Variante 2.2_OKT_Tabelle

Bildquellen:Im Besonderen der Ausbau der Erneuerbaren Energien sei laut Angaben der Regierung neben der Ersetzung fossiler Energieträger zentraler Aspekt, um die Emissionen zu senken. Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Nationen weltweit wird der Ausbau bzw. die Ausweitung der Erneuerbaren Energien weiter vorangetrieben. Hierbei können unterschiedliche Nutzungsformen unterschieden werden, sei es die Solar- oder Bioenergie, Wasserkraft oder die Windenergie. Vor allem im Bereich der Sonnenenergie sehen Experten weitere Potenziale, die längst noch nicht ausgeschöpft sind. Gerade in Bezug auf Photovoltaik sei ein starkes Wachstum zu erwarten, da die Technologien besser werden und zu dem auch preiswerter.

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