Wie entsteht eine Marke? – Beantragung beim Patentamt und Vorteile des Markenschutzes

Wie entsteht eine Marke?

Marken sind allgegenwärtig und nahezu überall in irgendeiner Form vertreten – ob in der Lebensmittelindustrie, in der Bekleidungsbranche, bei Pflegeprodukten, selbst bei Büroartikeln. Eine Marke wird nicht nur wiedererkannt, sondern genießt ein gewisses Ansehen, sodass es möglich ist, diese zu einem höheren Preis zu verkaufen als gleichwertige No-Name-Produkte. Das gilt aber auch anders herum: Hat eine Marke erst einen schlechten Eindruck hinterlassen und dies womöglich noch öffentlich, so bleibt der schlechte Eindruck womöglich lange bestehen. Konsumenten, die über das nötige Geld verfügen, greifen nicht selten lieber zu bekannten Marken als zu sogenannten Billigartikeln. Doch wie wird eine Marke eigentlich zu einer Marke und was muss ein Unternehmen dafür tun?

Die Eintragung einer Marke

Damit ein Produkt wirklich als Marke bezeichnet werden kann, steht nicht die Beliebtheit bei den Kunden im Vordergrund, sondern zunächst die Eintragung eines Produktes als Marke. Denn um sich letztendlich auf dem Markt durchsetzen zu können, sollte die Marke geschützt sein.

Schritt 1: Die Recherche

Wie_entsteht_eine_Marke_FEB_Bild3Bevor es zum Patentamt geht, um sich eine Marke bzw. den Markennamen schützen zu lassen, sollte eine ausführliche Recherche erfolgen. Denn selbst, wenn im ersten Moment eine Marke mit demselben Namen nicht bekannt ist, so kann es doch durchaus sein, dass genau dieser Name beim Patentamt bereits geschützt wurde. Vor den bürokratischen Schritten ist es demnach notwendig herauszufinden, ob der Markenname tatsächlich einzigartig ist. Sicherlich ist es möglich, dafür zunächst das Internet zu durchforsten – wer dann bereits auf den gewünschten Namen stößt, muss sich etwas Neues einfallen lassen. Der sicherste Weg ist allerdings direkt über die Internet-Seite des Patentamtes, dort sind alle vergebenen Marken aufzufinden. Im ersten Moment mag die Fülle dieser Seite erschlagend wirken, nach kurzer Eingewöhnungsphase lässt sich hier jedoch nahezu jede patentrelevante Frage klären.

Man könnte meinen, dass das Amt automatisch Anträge ablehnt zu Namen, die in ihrer Datenbank bereits existieren, doch dem ist nicht so. Denn das Markenamt führt keinerlei Recherchen durch, um herauszufinden, ob der Name oder ein ähnlicher bereits angemeldet ist, die Pflicht liegt also allein beim Antragsteller.

  • Zunächst gilt es also, die Datenbestände der nationalen deutschen Marken zu überprüfen. Wird dort nichts gefunden, ist die Suche aber noch nicht beendet.
  • Auch die Datenbank der europäischen Gemeinschaftsmarken und die der international registrierten Marken sollten genauer betrachtet werden. Denn in jeder dieser Datenbanken sind unabhängig voneinander solche Marken enthalten, die eine Schutzwirkung in Deutschland haben.
  • Erst wenn im Internet, in den Datenbanken, im Telefonbuch usw. der gewünschte Name nicht zu finden ist, kann der nächste Schritt in die Wege geleitet werden.

 

Schritt 2: Die Wahl der Markenklasse

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Produkte ganz ohne Bild und Label? Heutzutage kaum vorstellbar.

Einfach zum Deutschen Patent- und Markenamt (kurz DMPA) gehen, einen Antrag ausfüllen und schon ist die Marke geboren – so einfach ist das nicht. Denn Marken werden nicht pauschal eingetragen. Es ist demnach nicht möglich, sich einen Namen auszudenken und diesen generell für alle möglichen Produkte schützen zu lassen. Vielmehr werden sowohl Waren als auch Dienstleistungen nach der internationalen Nizza-Klassifikation in eben jene möglichen Klassen unterteilt. Demnach muss ein Antragssteller genau wissen, welche Klasse es sein soll. Er darf aber auch nicht pauschalisieren und beschließen, dass er sich einfach in vielen verschiedenen Klassen den Markenschutz sichert. Denn in diesem Fall greift der sogenannte Benutzungszwang, der vorschreibt, dass eine Marke auch in der Klasse genutzt werden muss, in der sie eingetragen worden ist.

 

Schritt 3: Die Wahl der Markenart

Wie_entsteht_eine_Marke_FEB_Bild5Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, eine Marke zu schützen. Diese sind beispielsweise

die Wortmarke, die Bildmarke und die Hörmarke, wobei die beiden ersteren am häufigsten verwendet werden. Bei der Wortmarke besteht die Marke aus Buchstaben, Zahlen oder Schriftzeichen der Schriftart Arial. In diesem Fall wird also tatsächlich der Name geschützt. Die Bildmarke hingegen umfasst zum Beispiel Logos. Allerdings ist darauf zu achten, dass dann wirklich nur das Logo in dieser Form geschützt wird, nicht der Name selbst und auch nicht solche Logos, die mit der Zeit abgeändert werden – dazu bedarf es eines erneuten Ganges zum DMPA. Es empfiehlt sich daher zunächst immer eine Wortmarke schützen zu lassen.

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Schritt 4: Die Anmeldung

Bis zum vierten Schritt waren alle vorherigen Punkte entweder mit Recherchen oder Überlegungen verbunden. Nun geht es allerdings an die tatsächliche Anmeldung, die auf unterschiedliche Weisen erfolgen kann: entweder in der Papierform oder online. Da Anträge beim Amt immer mit Formularen in Verbindung stehen, reicht in diesem Fall eine formlose E-Mail oder ein formloser Brief nicht aus. Wird die Papierform gewählt, so bedarf es eines vom DPMA vorbereiteten Anmeldeformulars, das online heruntergeladen werden kann und beim Amt eingereicht werden muss. Online ist die Anmeldung über die Webseite des DPMAs möglich. Für eine erfolgreiche Markenanmeldung können Sie außerdem unsere kompakte Checkliste zur schnellen Orientierung nutzen.

 

Schritt 5: Die Zahlung

Die Eintragung einer Marke ist nicht umsonst. Die Anmeldegebühr, die die Klassengebühr für bis zu drei Klassen beinhaltet, beträgt 300 Euro. Weitere Klassen oder eine gewünschte Beschleunigung des Verfahrens kosten extra. Diese Anmeldegebühr ist innerhalb von drei Monaten nach Antragsstellung zu zahlen – erfolgt dies nicht, gilt der Antrag als zurückgenommen.

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Schritt 6: Abwarten

Nun muss sich in Geduld geübt werden. Nachdem das Deutsche Patent- und Markenamt den Eingang der Anmeldung bestätigt hat, wird diese nach der Zahlung der Eintragungsgebühr formell und materiell geprüft. Werden keine Mängel gefunden, erfolgt die Eintragung der Marke. Liegen jedoch Mängel vor, so bekommt der Betroffene einen Beanstandungsbescheid zugesandt und muss weitere Schritte in die Wege leiten. Wer sich die Anmeldung und die eventuell damit verbundenen Probleme nicht selbst zutraut, kann übrigens einen auf das Markenrecht spezialisierten Anwalt einschalten.

 

Die Vorteile des Markenschutzes

Der Preis und der Aufwand der Eintragung einer Marke sind verhältnismäßig gering, werden die Vorteile selbiger betrachtet.Mit der Eintragung einer Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt wird ein Markenschutz im gesamten Gebiet der Bundesrepublik Deutschland gewährt. Dieser Schutz dauert 10 Jahre lang und muss bei Bedarf rechtzeitig um weitere 10 Jahre erneuert werden. Diese Verlängerung kann beliebig oft genutzt werden. Wer seine Marke auch außerhalb Deutschlands in anderen EU-Staaten schützen lassen möchte, kann dies beim Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt im spanischen Alicante beantragen.

Ob national, innerhalb der EU oder sogar international, der Schutz einer Marke bringt viele Vorteile mit sich:

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Ein Zeichen setzen

Mit einer Marke wird ein Produkt unverwechselbar und bekommt seine eigene Note. Mit einer Marke kann wirkungsvoll geworben werden, eine Marke kann für Tradition stehen und im Laufe der Jahre allein anhand ihres Namens oder Aussehens gegen die Konkurrenz bestehen. Diverse Markennamen, die bereits seit vielen Jahrzehnten bestehen, zeigen dies deutlich. Mit einer Marke ist es möglich, Kunden an sich zu binden, die das betreffende Produkt allein anhand des Markennamens oder einer Bildmarke unter vielen herausfiltern. Und eben jene Kunden sind für ein Unternehmen besonders wichtig, denn haben sie einmal gute Erfahrungen mit einer Marke gemacht, so sinkt das Einkaufsrisiko aus ihrer Sicht ungemein und sie lassen sich deutlich schneller dazu verleiten, erneut nach diesem einen Markenartikel als nach einem unbekannten Produkt zu greifen.

Vertrauen schaffen

Wer seine Marke erst einmal auf dem Markt etablieren kann, verschafft sich damit Vertrauen. Bekannte Marken werden oftmals mit hoher und besonderer Qualität gleichgesetzt, sodass Konsumenten meist nicht mehr kritisch hinterfragen.

 

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Schutz der eigenen Idee

Damit kein Konkurrent auf die Idee kommt, die eigene zu kopieren, ist die Eintragung umso wichtiger. Denn wenn sich eine Idee zunächst durchgesetzt hat und bei den Konsumenten sehr gut ankommt, so könnten andere Firmen womöglich auf die Idee kommen, ein ähnliches Produkt unter einem ähnlichen oder gar gleichen Namen – da nicht geschützt – zu verkaufen. Das wiederum würde für den Ideengeber erhebliche Umsatzeinbußen bedeuten. Um sich davor zu schützen und im Zweifelsfall rechtliche Schritte einleiten zu können, ist die Eintragung einer Marke unabdingbar.

 

Die Bekanntmachung der Marke

Die Eintragung einer Marke allein reicht allerdings noch nicht aus, um tatsächlich alle oben genannten Vorteile nutzen zu können. Damit eine Marke Beliebtheit erlangen kann, muss sie zunächst bekannt gemacht werden. Das geschieht in erster Linie durch Werbung. Radio, Fernsehen, Zeitung und Plakate sind Möglichkeiten, die ein breites Publikum ansprechen können. Jedoch sind diese Werbemittel entsprechend teuer und werden nicht immer von der gewünschten Zielgruppe beachtet.

In der heutigen Zeit bietet sich hingegen das Werbetrommelrühren in sozialen Netzwerken an. Allerdings bedarf es dabei einer gewissen Mundpropaganda bzw. eines ersten Anstoßes. Eine kreative Idee muss her, die das Produkt besonders ansprechend macht und die potenziellen Kunden dazu verleitet, über die Marke zu sprechen.

Eine noch bessere – und unbezahlbare Werbung – sind Empfehlungen. Wer in seinem Freundes- und Bekanntenkreis die entsprechende Marke aus eigener Überzeugung empfiehlt, ist dies die wirksamste Art von Werbung überhaupt. Es gilt demnach die Marke zunächst unter das Volk zu bringen, beispielsweise in Form von Proben, Gewinnspielen oder ähnlichem. Sind die Tester von der Qualität überzeugt, werden sie dies weiterverbreiten und der Marke mit der Zeit eine erste Popularität verschaffen.

 

 

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